Stille(nde) Nacht, heilige Nacht

Es ist mitten in der Nacht. Die ganze Welt schläft, nur ich bin abermals wach. Der Grund dafür hängt gerade an meiner Brust. Wieder einmal. Schon wieder. Immer noch. Die letzten drei Nächte spielt sich bei uns allabendlich immer dasselbe ab: Krümel schläft am Busen ein, sobald er nachts aufwacht (weil er zum Beispiel abgehalten wird, Stichwort Windelfrei), braucht er auch wieder Mamas Busen, um einzuschlafen. Das kann in einer Nacht schon bis zu vier- oder sogar fünfmal sein. Ich befinde mich damit in einer Dauerschleife. Ich stille, stehe auf, lege mich hin und stille. Natürlich schlafe ich dazwischen auch und wahrscheinlich sogar gar nicht mal so wenig. Aber anfühlen tut es sich gerade eben ganz anders.

Nur manchmal wünsche ich mir

Ich möchte gar nicht jammern. Denn das Einschlafen klappt dank Abendritual jetzt richtig gut. Tatsächlich schläft der kleine Herr abends gegen 20.00 bis 21.00 Uhr ein und wacht am nächsten Morgen auch meistens nicht vor 8.30 Uhr auf. Ich weiß, dass das für ein Baby unglaublich viel ist. Aber es sind eben nicht zwölf oder mehr Stunden, in denen wir „frei“ haben, weil Krümel schläft. Babys sind für das lange Schlafen auch nicht gemacht. Allein schon evolutionsbedingt dürfen sie gar nicht durchschlafen. Das wäre viel zu gefährlich. Und so wird Krümel alle paar Stunden (manchmal auch öfters) unruhig und braucht etwas. Manchmal ist es eine Berührung, manchmal drückt seine Blase und manchmal will er eben die Brust. Und nicht selten ist es auch mal alles auf einmal. Uns als seinen Eltern ist es wichtig, dass wir auf all seine Bedürfnisse eingehen. Er muss jetzt noch nicht lernen, alleine zu schlafen, vielleicht mal einige Stunden Hunger auszuhalten oder gar, dass Mama nicht da ist. Krümel ist noch ein Baby und muss damit erst einmal gar nichts. Und ich? Ich wünsche mir manchmal, aber auch nur manchmal, ein paar Stunden tief und fest durchschlafen zu können. Ohne ein unruhiges Kind neben oder saugend an mir. Aber eben nur manchmal.

Warum auch nächtliches Stillen eigentlich gar nicht so doof ist

Ich versuche jetzt, mal wieder aus diesem tristen Gedankenkarussell auszubrechen. Denn eigentlich ist Stillen ja eine wirklich tolle Sache. Vor allem auch nachts. Abgesehen davon, dass Stillen im Liegen sooo bequem und einfach ist. Wer diese Stillposition noch nicht probiert hat, sollte das sofort nachholen. Kein krummer Rücken, keine schmerzenden Arme vom Halten, keine Genickstarre. Stillen im Liegen ist quasi der Sport für Faule. Ein weiterer Vorteil: Wer nachts stillt, muss nicht aufstehen, um eine Flasche warmzumachen. Mama und Baby können einfach weiter im Bett liegen bleiben, weiter zusammen unter der warmen Decke kuscheln und dabei wieder einschlafen. Das ist natürlich um Welten besser, als mit nackten Füßen in der kalten Küche zu stehen und  mit schreiendem Kind auf dem Arm Milch auf sein Handgelenk tropfen zu lassen. Alles in allem ist nächtliches Stillen also eine tolle Sache. Wenn es eben nicht den Großteil der Nacht ausmacht. Eigentlich war das bei uns bisher so auch gar nicht der Fall gewesen.

Alles nur eine Phase?

Die Nächte waren immer ruhig gewesen, Krümel hat tief geschlafen und meine Brust war die meiste Zeit brav unter einer Kleidungsschicht versteckt. Aber seit kurzem hat Krümel nachts diesen größeren Trinkbedarf. Zuvor ist mir wiederum schon aufgefallen, dass wir seit einiger Zeit tagsüber deutlich weniger stillen. Der kleine Mann isst schon wie ein großer mit (Stichwort Baby-led Weaning) und liebt es, während den Mahlzeiten gemeinsam mit uns am Essenstisch zu sitzen und herzlich zuzugreifen. Kann es also sein, dass wir langsam, ganz langsam abstillen? Dass es deshalb momentan zu diesem nächtlichen Überstillen kommt? Dass er sich das nachholt, was er tagsüber nicht mehr braucht? Mit sieben Monate eigentlich noch zu früh. „Viel zu früh“, sagt mein Mutterherz. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann, dass Krümel und mein Busen ein eingespieltes Team sind. Never change a running system. „Lass die beiden einfach machen“, denke ich oft. Und so werde ich auch die nächste Nacht vielleicht wieder wachliegen und dieses nuckelnde Wesen liebevoll betrachten. Es ist alles ja nur eine Phase. Und vielleicht schon bald werde ich auch diese Phase dann vermissen.

 

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