Unsere Geburt im Geburtshaus

Dieser Artikel hat doch ziemlich lange auf sich warten lassen. Warum? Weil er dem Ereignis, von dem er handelt, gar nicht gerecht werden kann. In diesem Artikel möchte ich von Krümels Geburt berichten. Und ein bisschen soll es auch darum gehen, dass wir Frauen uns selbst mehr zutrauen sollten.

Ja zu einer selbstbestimmten Geburt

Uns war recht schnell klar, dass wir nicht in einem Krankenhaus unser erstes Kind bekommen möchten. Warum wir uns für das Geburtshaus entschieden haben, steht hier. Ich wollte definitiv aus eigener Kraft gebären, soll heißen, ohne Wehenmittel, PDA, Kaiserschnitt und und und. Dass man sich das manchmal nicht aussuchen kann und dass auch diese Dinge in einigen Fällen ihre Berechtigung haben, steht außer Frage. Aber bei einem gesunden und „normalen“ Verlauf hat man als Frau auch die Möglichkeit, bewusst auf all das zu verzichten – nur viele Frauen trauen sich heute eine natürliche und selbstbestimmte Geburt schlichtweg nicht mehr zu. Schade. Für mich war es jedenfalls die einzig richtige Entscheidung. Das Geburtshaus München und dessen Hebammen haben uns auf unserem Weg zur selbstbestimmten Geburt begleitet.

Das Kennenlernen

Im Laufe der Schwangerschaft haben wir unser Team, bestehend aus vier Hebammen, in monatlichen Vorsorgeterminen kennengelernt – und sie natürlich auch uns und den kleinen Bauchzwerg. Das hatte den Vorteil, dass nicht nur eine von ihnen dann auch bei unserer Geburt dabei war und man so nicht während den Wehen eine oder sogar mehrere wildfremde Personen um (und deren Hände manchmal in sich) hatte, sondern auch, dass die Hebammen uns und die Schwangerschaft eng mitverfolgen konnten. Die Vorsorgegespräche im Geburtshaus glichen immer einem vertrauten Treffen mit einer Freundin zum Quatschen. Wir fühlten uns schnell wie zu Hause. Und dass die Umgebung während einer Geburt keine kleine Rolle spielt, sollte eh klar sein. Denn nur wer sich wohlfühlt, kann sich im wahrsten Sinne auch öffnen.

Krümel lässt sich Zeit

Ein weiterer Vorteil, wenn man sich für eine Geburt im Geburtshaus entscheidet: Der Bauchzwerg bekommt mehr Zeit. Soll heißen, während im Krankenhaus oft schon wenige Tage nach dem errechneten Geburtstermin die Geburt eingeleitet wird, bleiben die Hebammen da noch gelassen. Geht es Mutter und Kind gut (und bestätigt das auch der Gynäkologe) dann lässt man dem Bauchzwerg auch zwei Wochen länger Zeit, um selbst herauszukommen. Einige natürliche Helferlein gibt es dennoch, wie zum Beispiel Himbeerblättertee oder Nelkentampons. Hat bei uns alles nichts gebracht. Krümel gefiel es in meinem Bauch einfach zu gut. Bei ET + 13 hatte ich vormittags noch einen Termin im Geburtshaus. Krümel ging es durchgehend super, er hatte tolle Herztöne, war weder zu groß, noch war die Plazenta schon zu sehr verkalkt (alles Hinweise, dass das Baby überreif wäre). Und auch mir ging es super. Selbst weit nach dem errechneten Geburtstermin besuchten wir weiterhin die Sauna, gingen viel spazieren und ich fühlte mich mit praller Babykugel immer noch wohl. Es sah ganz so aus, als ob wir vielleicht doch ins Krankenhaus mussten und an einer Einleitung nicht umhinkommen würden… aber das wollte Krümel dann wohl doch nicht.

Es geht los

Denn am späten Nachmittag setzten daheim die ersten feinen Wehen ein. Die fühlten sich noch wie starke Regelschmerzen an. Aber einige Stunden später hatte ich schon sehr mit ihnen zu kämpfen. Wie ein unruhiges Tier wanderte ich durch die Wohnung und veratmete so gut es ging die Schmerzen. Recht schnell kamen die Wehen mit immer kürzerem Abstand. Oft blieben mir gerade einmal zwei Minuten oder weniger, um tief durchzuatmen, bevor schon die nächste folgte. Telefonisch war die Hebamme längst informiert, die an diesem Abend Dienst hatte. Am späten Abend entschieden wir dann gemeinsam, dass es nun an der Zeit sei, ins Geburtshaus zu fahren. Dort hatte unsere Hebamme bereits unser Lieblingszimmer für uns vorbereitet und auch die zweite Hebamme, die als Unterstützung bei der Geburt dabei ist, war schon dort. Auch sie war mir nicht fremd und ich freute mich (trotz starker Schmerzen) sehr, sie zu sehen. Schnell war klar, dass ich in die Gebärbadewanne wollte und so ließ unsere Hebamme das Badewasser ein. In welcher Position oder ob ich gar im Wasser Krümel bekommen wollte, darüber hatte ich mir im Vorfeld keinerlei Gedanken gemacht. In diesem Moment war es unmöglich, nicht im Wasser zu sein. Die Wärme hüllte mich ein, das Wasser machte mich schwerelos (naja, soweit das ging)  und meine Muskeln entspannten sich kurzzeitig. Dann ging es erst richtig los. Das warme Wasser verstärkte die Wehen um ein Vielfaches. Die Hebammen ließen mich und meinen Körper machen. Nur ab und an kontrollierten sie Krümels Herztöne (die bis zum Schluss mega entspannt waren) und meinen Blutdruck. Wie weit der Muttermund offen war, war zu keinem Zeitpunkt entscheidend. Mein Körper wählte das Tempo und wir ließen ihn. Nach neun Stunden Wehen und mit einer enormen Kraft wurde Krümel in der Gebärbadewanne des Geburtshauses geboren.

Nach der Geburt

Krümel lag auf meiner Brust und zeigte gleich, dass das Stillen kein Problem werden würde. Die Nabelschnur durfte auspulsieren und wir uns als Familie in aller Ruhe kennenlernen. Von der Wanne ging es in das große Bett im Nebenzimmer. Dort kuschelten wir dann zu dritt, während sich die beiden Hebammen zurückzogen. Erst viel später wurde Krümel gemessen und gewogen. Niemand nahm mir zu irgendeinem Zeitpunkt einfach mein Kind weg oder entschied etwas auf eigene Faust. Ich wurde bei allem gefragt, ob es in Ordnung sei. Ein besonderes Highlight war auch das: Gemeinsam mit den Hebammen stießen wir mit einem Gläschen Sekt (gut für die erste Milchbildung) auf die Geburt und auf Krümel an und bekamen sogar einen kleinen Kuchen mit Kerze ans Bett gebracht. Ein paar Stunden nach der Geburt ging es dann wieder nach Hause. Nach der Geburt steht man noch sehr unter Adrenalin. Das kann man perfekt ausnutzen, um den Heimweg anzutreten. Um dann so im eigenen Bett zur Ruhe zu kommen und das Erlebte in den eigenen vier Wänden zu verarbeiten. Im Vorfeld war ich mir diesbezüglich unsicher gewesen, aber tatsächlich war es dann doch sehr schön, gleich nach Hause zu können.

Immer wieder

Immer wieder würden wir es genauso machen. Krümel im Geburtshaus zu bekommen, war für uns die richtige Entscheidung. Wenn ich heute an die Geburt zurückdenke, dann sehe ich vor meinem inneren Auge folgendes Bild: Wie ich im Kerzenschein allein in der riesigen Gebärbadewanne liege, neben mir Krümels Papa, vor mir die beiden Hebammen. Es war eine intime, sehr persönliche Geburt. Zu keiner Zeit war ich allein oder es wurde etwas über meinen Kopf hinweg entschieden oder getan. Während der gesamten Geburt waren da diese beiden starken Frauen für uns da gewesen. Ich habe Krümel aus eigener Kraft bekommen und würde es so auch immer wieder wollen.

Ein kleiner Nachtrag zum Schluss noch: Die meisten finden es mutig, in ein Geburtshaus zu gehen. Fast immer höre ich „Was aber, wenn etwas während der Geburt passiert? Dann möchte ich doch da sein, wo alles für den Notfall da ist“. Ich finde es nicht mutig, in einem Umfeld zu gebären, das mich, die Schwangerschaft und Krümel neun Monate lang begleitet hat. Ein Umfeld, das uns und unsere Wünsche kennt. Wie schon geschrieben, hatte ich die ganze Geburt über zwei Hebammen für mich allein – wer kann das in Zeiten von Hebammenmangel und Kreissaalüberbelegungen schon von sich behaupten? Außerdem waren wir für den Fall der Fälle in einem Krankenhaus in unmittelbarer Nähe angemeldet. Im Notfall wären wir dort in wenigen Minuten per Notarzt gewesen. Aber dadurch, dass wir zu keiner Zeit alleine waren und zwei erfahrene Frauen die Geburt begleitet haben, hätte man auch viel früher gemerkt und eingreifen können, wenn etwas nicht gestimmt hätte als dies oft im Krankenhaus der Fall ist.

Wie war eure Geburt? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich bin auf eure Kommentare gespannt!

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