Langzeitstillen & unser Umfeld: „Du stillst immer noch?!“

Als Krümel ziemlich genau ein halbes Jahr alt war, haben die Fragen angefangen. „Du stillst noch?“, „Wie lange hast du das noch vor?“, „Wann stillst du ab?“ Schon damals fand ich das irgendwie schräg. Stillen ist mitunter das Beste fürs Kind, darüber brauchen wir eigentlich gar nicht erst anfangen zu diskutieren. Und wenn ich stillen kann und möchte – na dann lass ich es bitteschön auch laufen! Aber warum ist mit den sechs Monaten diese magische Grenze des ansehnlichen Stillens plötzlich überschritten? Denn dann heißt es, zu stillen wäre ab jetzt mit einem Mal eklig, irgendwie anstößig, gehöre sich nun einmal nicht.

Wer entscheidet wirklich, ob ich „noch“ stille?

Mittlerweile ist Krümel ein Jahr alt und natürlich haben die Fragen meiner Mitmenschen nicht aufgehört. Denn ich stille immer noch. „Immer noch“. Reicht es nicht, einfach zu schreiben: „Ich stille“. Muss dieses „Immer noch“ wirklich sein? Vom Gefühl her irgendwie schon. Und das ist es auch, das mich traurig und wütend zugleich macht. Das Umfeld gibt einem das Gefühl, sich für das Langzeitstillen rechtfertigen zu müssen. „Langzeitstillen“, übrigens schon wieder so ein Begriff. Ein Baby ist und bleibt offiziell erst einmal ein Baby bis zu seinem ersten Geburtstag. Bis dahin sollte das Stillen also eigentlich ziemlich normal sein. Tatsächlich wird aber bis zum ersten Geburtstag durchschnittlich nur jedes zehnte Baby in Deutschland noch gestillt. Die WHO empfiehlt dagegen, sein Kind die ersten beiden Lebensjahre zu stillen. Wir Deutschen stillen aber im Durchschnitt schon mit nicht einmal sieben Monaten ab. Warum diese extremen unterschiedlichen Werte? Seinen Nachwuchs zu stillen, ist uns angeboren und genetisch vorgegeben. Den entscheidenden Einfluss hierbei hat aber immer noch die Kultur der jeweiligen Gesellschaft. Und die entscheidet nun einmal meist, welches Ansehen das Stillen jeweils hat. Hier bei uns nur ein kurzweiliges. Ein Neugeborenes muss gestillt werden, ein größeres Baby bitte nicht mehr und ein Kleinkind auf gar keinen Fall! Biologisch betrachtet liegt das Abstillalter des Menschen übrigens bei etwa vier, fünf Jahren. So viel dazu.

Abstillen – ja oder nein?

Immer öfter wurde ich die letzten Tage und Wochen gefragt, wann ich plane abzustillen. Als ob sich das so einfach planen lässt. Und doch kenne ich einige Frauen, die ihr persönliches Abstillalter schon mental ganz genau festgehalten haben. Wenn das Kind sein Bedürfnis nach Muttermilch selbst aussprechen kann, wenn es beim Stillen auf dem Schoss sitzt, wenn es nach dem Ausschnitt der Mutter greift, wenn es zwei Jahre alt ist… und so weiter. Ich habe mir diese Grenze nicht gesetzt. Versteht mich nicht falsch, ich kann es mir momentan auch nicht vorstellen, einen Vierjährigen oder so zu stillen. Aber wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass sich mit Kind nichts planen lässt. Es kommt, wie es kommt. Außerdem wäre es ja nicht irgendein Vierjähriger, sondern mein Vierjähriger. Und solange das Stillen für Krümel und mich in Ordnung ist, werden wir weitermachen. Warum sollte ich das auch sonst ändern? Das eigene Kind abzustillen, obwohl es noch nicht dafür bereit ist, würde im Klartext Folgendes bedeuten: Viele unnötige Tränen, ein kleines gebrochenes Herz, ein gebrochenes Vertrauen, Abhängigkeit von teurer, künstlicher Fertigmilch, weniger Flexibilität. Denn sind wir mal ehrlich, abgesehen von dem gesundheitlichen Aspekt, ist das Stillen auch super entspannt und unkompliziert. Ob unterwegs, in der Nacht oder wenn es mal schlecht isst oder krank ist. Ich muss mir nie einen Kopf machen. Ich weiß, dass ich mein Kind optimal und meist auch sehr entspannt versorgen, ja sogar ernähren kann. Es läuft quasi ganz nebenbei von allein. Warum sich also einen Kopf machen, was andere darüber denken?

11 Kommentare zu „Langzeitstillen & unser Umfeld: „Du stillst immer noch?!“

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  1. Mach Dir keine Gedanken und lass Dich bitte nicht von den Fragen und Aussagen anderer verunsichern! Es ist alles selbstregulierend und ihr beide werdet selbst merken wann für Euch der passende Zeitpunkt ist…es kommt eh immer alles anders 😉 LG!

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  2. Hallo Krümelina, ich finde diese Fragen auch schrecklich. Als würde es irgend jemanden etwas an gehen. Auch ganz schlimm finde ich „Wie? Du stillst nicht?“ Das Ob, das Wie lange, das Warum – das sind Fragen, die jede Frau für sich selbst, ihr Kind und ihre Lebensumstände beantworten muss. Manchmal funktioniert das Stillen auch einfach nicht oder die Beikosteinführung will partout nicht klappen und da bleibt Mama lieber noch beim Stillen. Es gibt so viele Faktoren, die das Stillen beeinflussen. Das können Außenstehende doch gar nicht beurteilen. Also, stillen so lange wie Mami und Kind möchten. Basta!! 😊 Liebe Grüße, Anja

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    1. Liebe Anja,
      du hast vollkommen Recht. Jede Mutter entscheidet für sich und ihr Kind selbst – ohne Wenn und Aber! Und ja, Außenstehende können das meistens gar nicht beurteilen…sollen sie ja auch nicht! 😉

      Alles Liebe!

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  3. Ich verstehe dich sehr gut! Mein Sohn ist bald 9 Monate alt und ich werde ständig gefragt, wie lange ich denn noch stillen werde oder mir wird gesagt : „länger als 9 Monate brauchst du ihn nicht stillen“. Gefragt habe ich aber niemanden nach seiner Meinung und außerdem geht es nicht ums Müssen, sondern um das Wollen. Und daran denkt anscheinend kaum jemand…

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    1. Hallo Christina,

      danke für das Teilen deiner Erfahrung. Es ist doch so schade, dass man Stillen mit „Müssen“ verbindet. Wir genießen es einfach und Krümel ist „schon“ 14 Monate alt 😉 einfach auf das eigene Bauchgefühl hören, auch wenn es manchmal schwer ist, die anderen Stimmen auszublenden. Ich wünsche euch alles Gute!
      Herzensgrüße vom Krümel Blog

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