Baby-led Weaning & Breifrei: So hat es bei uns funktioniert

Krümel war ziemlich genau vier Monate alt, als er mit dem Essen begonnen hat. Ich persönlich hätte gerne noch zwei, drei Monate mit der Beikosteinführung gewartet – aber nicht so Krümel. Schon länger beobachtete er ganz genau, was wir da wie aßen. Er machte dabei sogar deutliche  Mundbewegungen und zeigte immer wieder auf unsere Teller. Krümel war also definitiv so weit: Er wollte am Essen teilhaben.

Unsere Erfahrung mit der Beikosteinführung

Für mich stand außer Frage, dass ich selbst Brei für mein Kind kochen und zubereiten wollte. Aber wieder einmal hat mir Krümel da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn der kleine Herr fand und findet Brei doof. Wir haben an seinem besagten vierten Monat mit einem Löffel Karottenbrei angefangen. Karotte erst gekocht und dann püriert – kein Hexenwerk. Aber auch keine Gaumenfreude, wenn es nach unserem Sohn ging. Der Löffel wurde freudig im Mund angenommen und schon wenige Sekunden später samt Ladung wieder nach draußen befördert. Einen vorwurfsvollen Blick später inklusive vollgesautem Boden und überfragten Eltern zeigte Krümel sehr zielstrebig auf die gekochten Karottensticks auf dem Teller hinter uns. Selber Inhalt, aber eben andere Konsistenz. Und siehe da: Es schmeckte! Krümel biss mit seinen nicht vorhanden Zähnen ab, ließ die Stückchen kurz andächtig im Mund herumwandern und schluckte sie herunter. Wir waren baff! Tatsächlich forderte er sofort nach dem nächsten Stick. Und damit war der Brei Geschichte. Nach einigen Infos aus dem Internet und ein paar Breifrei-Bücher später, entschieden wir uns, gemeinsam mit Krümel den Breifrei- bzw. Baby-led Weaning Weg zu gehen. Trotz der unzähligen Diskussionen im Netz, ob Babys ohne Brei überhaupt überleben bzw. sich nicht an unpüriertem Essen nur verschlucken könnten. An dieser Stelle möchte ich festhalten: Krümel hat sich noch !nie! beim Essen ernsthaft verschluckt. Nicht ein einziges Mal. Dafür habe ich von „Brei-Babys“ aus unserem Bekanntenkreis schon die schlimmsten Horror-Geschichten gehört, von „Er hat keine Luft mehr bekommen!“ bis zu „Sie lief total lila an!“ Das lag bei ein, zwei Vorfällen aber auch daran, dass die Babys nicht richtig saßen, sondern weitestgehend im Liegen gefüttert wurden. Krümel jedenfalls liebt es, die unzähligen Geschmäcker, Formen und Konsistenzen mit seinen Händen und dem Mund zu erkunden und selbstständig essen zu können. Er hat von Anfang an eigentlich alles bekommen. Klar, gibt es Dinge, die ein Baby im ersten Jahr definitiv nicht essen sollte: Ganze Trauben oder Cocktailtomaten (Erstickungsgefahr), Zucker, scharfe Gewürze, Salat (kann blöd am Gaumen kleben bleiben) oder Salz. Aber ansonsten gibt es keine großen Ausnahmen. Krümel entscheidet, was er isst.

Warum Breifrei bzw. Baby-led Weaning?

Übrigens ist Breifrei und Baby-led Weaning nicht dasselbe. Wie der Name schon sagt, wird bei Breifrei der Brei weggelassen. Das Baby erhält Gekochtes oder auch Rohes, aber eben nichts Püriertes. Während es sich bei Baby-led Weaning selbst füttert (zum Beispiel auch selbst Brei isst), kann es bei Breifrei gefüttert werden oder aber auch selbst essen. Mehr zu dem Thema findet ihr übrigens auch in unserer Breifrei-Baby-led-Weaning-Übersicht oder auch in dem Interview mit breifreibaby. Krümel mag Brei nicht und isst am liebsten selbst. Nur manchmal lässt er sich lieber von Mama oder Papa füttern. Damit hat er sich also für die Breifreie Variante und für Baby-led Weaning, kurz BLW, entschieden. Krümel isst, was ihm gerade schmeckt. Klar, bieten wir ihm auch immer wieder Neues an, manches kommt gut an, manches gar nicht. Dann probieren wir es einige Tage später einfach noch mal. Krümel weiß genau, was er gerade benötigt. Mal stürzt er sich auf den Fisch (so ein mittelgroßes Filet isst er mit seinem Jahr schon allein), weil sein Körper das Eiweiß für den Muskelaufbau braucht, mal könnte er auch eine Woche nur Nudeln essen, dann wenn sein Körper eben mehr Kohlenhydrate benötigt. Essen ist mit Baby-led Weaning ein wunderbares Spiel. Von wegen „Mit dem Essen spielt man nicht“ – im Gegenteil. Wenn unsere Babys sich kulinarisch ausprobieren können, zum Beispiel eine weiche Mango zwischen den Fingern zerdrücken, Brot zerkrümeln und im Rührei herumpieksen dürfen, lernen sie nicht nur den Geschmack und Geruch kennen, sondern eben auch die Konsistenz. Warum muss das Essen ernst und streng ablaufen, wenn man auch entspannt gemeinsam zusammen sitzen kann? Mit Breifrei bzw. Baby-led Weaning isst die ganze Familie zusammen, ohne dass einer fürs Füttern zuständig ist und dessen Essen dabei kalt wird. Die Babys lernen verschiedene Formen, Konsistenzen und Geschmäcker mit all ihren Sinnen kennen und entscheiden selbst, was sie essen möchten und wann sie satt sind. Dabei lernen sie auch ihr Hunger- und Sättigungsgefühl kennen. Es gibt so viele Gründe, warum die Beikosteinführung intuitiv anstatt nach festgelegten Essensplänen ablaufen sollte. Wir müssen unseren Babys lediglich vertrauen anstatt den großen Konzernen unser Vertrauen zu schenken.

Unser Essensalltag mit Krümel

Gut, so viel zur Theorie. Wie sieht es jetzt in unserem Alltag aus, wenn Krümel selbst den Löffel schwingt? Er ist jetzt zwölf Monate alt und liebt aktuell vor allem Fisch und Heidelbeeren. Meistens getrennt, aber manchmal auch zusammen. Wir haben zwei tolle Silikonteller mit verschiedenen Fächern (die am Tisch haften bleiben und deswegen nur schwer heruntergeworfen werden können), die abwechselnd immer kreuz und quer befüllt werden. Wenn wir kochen, separieren wir ein paar Dinge, die ungewürzt bleiben (vor allem ohne Salz) und die dann Krümel zu essen bekommt. Nachgewürzt wird bei uns einfach am Tisch. Gerade liebt Krümel sein Butterbrot zum Frühstück, mittags snacken wir gemeinsam eine Kleinigkeit, zum Beispiel frisches Obst oder die Reste vom vorherigen Abend. Und abends wird bei uns immer groß gekocht. Ob Pasta mit Gemüse und Fleisch, Fisch mit Reis und Ofengemüse oder eine leckere Suppe – Krümel isst immer mit. Klar, wenn wir zum Beispiel einen Salat oder mal etwas Ungesundes machen, dann bekommt er eben etwas anderes. Ansonsten läuft es total unkompliziert. Krümel hat von Anfang an alles bekommen – selbst ohne Zähnchen war das überhaupt kein Problem! Was nicht besteht, wird einfach wieder ausgespuckt. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Tage, an denen Krümel schlecht oder gar nicht isst. Aber auch das ist kein Problem, da wir immer noch stillen und er sich das dann eben so holt. Manchmal gibt es aber auch Tage, da bekommt er einen Nachschlag und noch einen… dann glauben wir kaum, wie viel er da gegessen hat. Unsere Einstellung ist, dass wir das Essen entspannt gemeinsam meistern möchten. Krümel wird zu nichts gezwungen oder überredet. Er entscheidet selbst, was da in seinem Mund landet.

Unser Tipp zum Beikoststart

Gerade zu Beginn der Beikosteinführung kann man leicht verunsichert sein. Starre Essenspläne geben einem vor, was genau wie beizufüttern ist. Warum eigentlich? Unsere Babys wissen intuitiv ganz genau, was ihr Körper braucht und was sie schon essen können. Es gibt viel Literatur zu Breifrei und Baby-led Weaning. Auch online findet man tolle Tipps für einen entspannten Start. Unser persönlicher Tipp ist, es einfach einmal auszuprobieren. Natürlich sollte das Baby startklar für die Beikost sein (Reifezeichen sind unter anderem, dass es schon allein recht stabil sitzen kann, Interesse am Essen zeigt und keinen Zungenstoßreflex mehr hat, das Essen also nicht automatisch wieder herausgeschoben wird). Dann spricht nichts dagegen, dem Baby einfach einmal Essen anzubieten und zu beobachten, was passiert. Hat es noch kein Interesse oder ist erst einmal überfordert, kann man es ganz entspannt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal probieren. Ganz entspannt bleiben – das ist sowieso das Wichtigste. Einfach das Baby machen lassen und ihm dabei vertrauen.

2 Kommentare zu „Baby-led Weaning & Breifrei: So hat es bei uns funktioniert

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  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich habe zwei Kinder. Der ältere ist 3 und der Jüngere 8 Mte. Bei beiden habe ich mit Brei gestartet.Beim Älteren Sohn war ich sehr ängstlich wegen dem verschlucken,so dass ich sehr lange mit Stückchen gewartet habe.
    Ich hatte einen Vorfall mit einem Kind,das fast gestorben wäre und wirklich keine Luft mehr hatte. Wenn das Spitaö nicht so Nahe gewesen wäre..dann hätte Sie es nicht geschafft.Deshalb meine Ängste.Doch mein Jüngerer zeigte sehr schnell,dass er das Gleiche wie wir möchte..
    Nun bin ich viel lockerer und siehe da er isst alles von uns,ohne Zähne.Er bekommt zwar noch Brei dazu,damit er genug hat,weil er sonst in der Nacht sehr oft den Schoppen möchte.Es macht wahnsinnig Spass so zu essen..Tolle Sache..

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    1. Liebe Claudia,
      danke für das Lob 🙂
      Ich kann dich verstehen. Wenn ich so etwas miterlebt habe, dann hätte ich sicherlich ähnliche Bedenken bezüglich dem Essen. Bisher hatte ich das Glück, dass wirklich noch nie etwas passiert ist. Und sicherlich können auch Kinder sich später noch immer wieder verschlucken. Ganz unachtsam sollte man eh nie sein. Aber wie du schon schreibst: Unsere Kinder zeigen sehr wohl, was sie möchten. Schön, dass du trotzdem so locker bist und ihr so viel Spaß beim Essen habt. Das finde ich eben das Tolle an BLW bzw. Breifrei – es ist unkompliziert, entspannt und macht allen Spaß! 🙂
      Euch weiterhin einen guten Appetit!

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